Bedrohtes
Paradies mitten im Peenestrom
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Foto: Der Große Wotig ist
als Brutstätte für viele Vogelarten bekannt geworden. Vor allem Watvögel
besiedeln das kleine Eiland zwischen Usedom und Festlandsküste.
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Über das 190 Hektar große
NSG Insel Großer Wotig berichtet heute unser Redaktionsmitglied
Sebastian Haerter.
Eingeklemmt im Peenestrom
zwischen der Insel Usedom und dem Festland liegt der Große Wotig, eine
langgestreckte Insel, deren Bewohner regelmäßig gesalzen werden. Wenn
nämlich während des Frühjahrs der Wasserspiegel steigt, wird das Eiland
alljährlich überflutet.
Doch darauf hat sich
die dortige Lebensgemeinschaft hervorragend eingestellt, wie der Betreuer
dieses Naturschutzgebietes, Helmut Skibbe, weiß. Die Pflanzen der Insel
sind sogar auf die regelmäßige Mineral-Zufuhr angewiesen Salzgrasland
nennt sich diese spezielle Vegetationsform.
Biegsamer Schnabel
Seit zwanzig Jahren kennt
der Wolgaster den Großen Wotig wie seine Westentasche. Besonders angetan
haben es ihm die "gefiederten Insulaner", die dort allesamt auf dem Boden
brüten und das Areal bekannt gemacht haben. Es sind hauptsächlich so genannte
Limikolen, was nichts anderes als Watvögel bedeutet. Meist mit langen
Beinen und Schnäbeln ausgestattet, haben sie alle ihre spezielle Art und
Weise entwickelt, Nahrung zu suchen.
"König" unter ihnen ist
zweifellos der Große Brachvogel. Mit seinem extrem langen und gebogenen
Schnabel vermag er Nahrungsquellen zu erschließen, die anderen verborgen
bleiben. Und das ist auch gut so, schließlich soll unnötige Konkurrenz
untereinander vermieden werden.
Etwas kürzer und zudem
gerade ist der Schnabel der Bekassine. Das Besondere: Wenn die kleine
Schnepfe im Schlamm nach Würmern und Kerbtieren sucht, kann sie ihren
Vorderschnabel im Boden sowohl verbiegen als auch öffnen und sich so den
flinkesten Wurm schnappen, wie Skibbe erklärt.
Mit einigen seiner Schüler
war der ehemalige Biologielehrer des Öfteren auf der Insel und konnte
ihnen so die Vogelwelt näher bringen. In aufwändig gestalteten Arbeiten
beschrieben die jungen Naturforscher dann ausführlich die einzelnen Arten
und ihre Lebensweise. Ausgestellt wurden die Mappen zum Beispiel auf der
"Messe der Meister von Morgen".
Der eigentliche "Megastar"
des Großen Wotig ist der Alpenstrandläufer. Eigentlich arktischer Herkunft,
erreicht der Vogel an der Küste der Ostsee seine südliche Verbreitungsgrenze.
Nur noch etwa 10 bis 15 Paare brüten in ganz Deutschland, zwei davon auf
dem Wotig, wie Naturfreund Skibbe berichtet. Dabei gab es dort 1980 allein
etwa 15 Paare der Art, doch mittlerweile sind die Bestände drastisch zurückgegangen.
Überhaupt bereitet der
Rückgang nahezu aller auf dem Wotig vorkommenden Arten dem Wolgaster arge
Kopfschmerzen. Mittlerweile, so erzählt der pensionierte Biologielehrer,
seien sowohl Brachvogel als auch Kampfläufer als Brutvögel ausgestorben.
Andere, wie Kiebitz und eben auch der Alpenstrandläufer, haben starke
Bestandseinbußen während der vergangenen Jahre hinnehmen müssen.
Besserung erhofft
Als Ursache vermutet
Helmut Skibbe zu viele Raubtiere auf dem Eiland. Vor allem den Mink, eine
eingeschleppte Nerzart, hat der Wolgaster dabei in Verdacht. Auch habe
der Fuchs wegen der Tollwut-Prävention und mangelnder Bejagung sprunghaft
zugenommen, so dass auch er als möglicher Eier- oder Kükenräuber in Frage
kommt.
Und so hofft der Peenestädter,
dass eines Tages, wenn es nicht mehr viel auf dem Wotig zu holen gibt,
auch die Räuber von der Insel verschwinden werden: "Vielleicht erholen
sich die Vogel-Bestände dann ja wieder." Schließlich sollen auch künftige
Generationen die seltsamen Vögel des Großen Wotig nicht nur in Büchern
bestaunen können.
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Wockninsee bei Panzer-Reptil beliebt
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Foto: Am Wockninsee fühlen
sich nicht nur Schwäne, sondern auch Kraniche und Haubentaucher
der Vogel des Jahres 2001 wohl. Kurierfoto: Archiv |
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Über das 49 Hektar
große NSG Wockninsee berichtet heute unser Redaktionsmitglied Sebastian
Haerter.
Der Wockninsee bei Ückeritz
ist so etwas wie der Loch Ness der Insel Usedom. Denn ebenso wie der berühmt-berüchtigte
schottische See beherbergt auch das Gewässer in der Insel-Mitte ein geheimnisvolles
Reptil. Der Unterschied: Während es für die Existenz von "Nessie" noch
nie einen Beweis gab, ist "Wockie" vor zehn Jahren im Wockninsee nachgewiesen
worden.
Der Heringsdorfer Biologe
Claus Schönert kennt das "Untier" beim Namen: Emys orbicularis, die Europäische
Sumpfschildkröte. Nur wenigen ist es vergönnt, das seltene Tier zu Gesicht
zu bekommen. Dabei war die einzige heimische Schildkröte einst recht häufig
und als Fastenspeise begehrt. Doch hat der Mensch es durch Jagd und Zerstörung
des Lebensraumes mittlerweile geschafft, die Art nahezu auszurotten. Ob
die Schildkröte auf Usedom überlebt hat, ist fraglich, wie Schönert meint,
denn der letzte Nachweis liegt eben schon zehn Jahre zurück.
Verräterische Essensreste
Damals haben dem Heringsdorfer
Essensreste die Anwesenheit des heimlichen Panzerträgers verraten. Das
Reptil frisst nämlich in der Hauptsache Fisch und lässt nur die Schwimmblasen
übrig. Die schwimmen an der Wasseroberfläche und verraten dem Eingeweihten,
wer dort gespeist hat. Da die Sumpfschildkröte sehr alt werden kann, ist
es durchaus denkbar, dass einzelne Exemplare überlebt haben, vermutet
Schönert.
Fraglich ist aber, ob
sie sich noch fortpflanzen, denn die Art stellt sehr hohe Ansprüche an
Lebensraum und Eiablage-Platz. Die Eier brauchen einen sandigen und warmen
Platz, denn die Sonne übernimmt ganz alleine den Job, die Schildkröten
auszubrüten.
Auch der Wockninsee an
sich hat schon einige Jahre "auf dem Buckel". Vor etwa 10 000 Jahren entstand
das Gewässer, das sich als Ausbuchtung von der Ostsee gebildet hat. Durch
Anschwemmungen wurde der Strandsee vom Meer abgetrennt und süßte im Laufe
der Jahre aus. Seit 1967 stehen Wasserfläche und Uferstreifen unter Naturschutz
und sind inzwischen Teil des Netz-Natura Systems der Europäischen Union.
Umgeben ist der See von
einem so genannten Eichen-Hudewald, in dem früher die Schweine mit Eicheln
gemästet wurden. Aber auch Moorwald und Erlenbrüche sind Teil des NSG
und mit ihrer Vegetation prägend für das Areal. Das Insekten fressende
Fettkraut fühlt sich dort ebenso wohl wie der Fieberklee und das Sumpf
Veilchen. In den unzugänglichen Bereichen brüten drei Kranichpaare.
Das sehr klare Wasser
des Wockninsees beherbergt diverse Algenarten und stellt ein wichtiges
Laichgebiet für Amphibien wie den Springfrosch oder den Teichmolch dar.
Eine Etage höher schwimmen der Vogel des Jahres 2001, der Haubentaucher,
und sein winziger Verwandter, der Zwergtaucher. Alles in allem also eine
kleine Idylle, mit deren Zustand Betreuer Schönert zufrieden ist.
Ungestörte Ruhe
Ein Lehrpfad führt den
interessierten Besucher und zeigt die Besonderheiten des Sees. Zusätzlich
sorgt eine große Beobachtungskanzel für optimalen Überblick, und von Ückeritz
aus werden Führungen angeboten. Die Ruhe des Gebietes ist kaum gefährdet,
denn der Massentourismus spielt sich an anderer Stelle ab. Und doch, weiß
Schönert, wird der Wockninsee eines Tages verschwinden.
Dafür sorgen unscheinbare
Moose und andere Pflanzen, die den See über natürliche Verlandungsprozesse
langsam in ein Moor verwandeln. Aber das, ist der Heringsdorfer sicher,
"werde ich bestimmt nicht mehr erleben.
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Liebestrunkene
Lurche blubbern auf dem Gnitz
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Foto: Die so genannten Windflüchter
sind typisch für die Küste der Insel Usedom. Auch auf dem Gnitz haben
sich diese Kiefern verbogen und sorgen so für ein einzigartiges Landschaftsbild.
Foto: W. Nehls |
Über das 62 Hektar große
NSG Südspitze der Halbinsel Gnitz berichtet heute unser Redaktionsmitglied
Sebastian Haerter.
Wäre es nach dem Willen
einiger hochrangiger Vertreter des Arbeiter- und Bauernstaates gegangen,
dann würden heute auf dem Gnitz Bungalows und Pferdeställe das Landschaftsbild
"bereichern". Die oberen Zehntausend der damaligen DDR hatten sich das
Eiland im Achterwasser in den 80-er Jahren nämlich als Ferienidylle auserkoren,
wie Wolfgang Nehls, Betreuer des Gebietes, zu berichten weiß. Und weil
die Uhren damals etwas anders tickten, wurde auch gleich 'mal mit den
Bauarbeiten begonnen vollendete Tatsachen nennt man so etwas.
Proteste haben genützt
So kam es, dass Nehls
eines Tages gleichsam vom Donner gerührt vor breiten Leitungsgräben stand,
die mitten durch wertvollen Trockenrasen gebuddelt worden waren, wie der
Zinnowitzer erzählt. Heftige Proteste konnten das Projekt dann glücklicherweise
verhindern, und es gelang den Naturschützern sogar, eine einstweilige
Sicherung der Halbinsel als Naturschutzgebiet durchzusetzen. Damit konnten
die eigentlichen Herrscher des Areals Knabenkräuter, Moorfrösche und
Uferschwalben dort wieder die alleinige "Macht" übernehmen.
Im Jahre 1994 wurde die
Südspitze des Gnitz endgültig unter Naturschutz gestellt. Dass damit jedoch
nicht alle Probleme aus der Welt geschafft sind, weiß Wolfgang Nehls aus
eigener Erfahrung. Der ehrenamtliche Naturschutzwart muss leider immer
wieder Verstöße gegen die Regeln im NSG feststellen: "Das fängt bei abgepflückten
Orchideen an, geht über frei laufende Hunde und wilde Trampelpfade und
hört bei anlegenden Booten im Schilf noch lange nicht auf", beklagt der
Insulaner.Wie Nehls betont, sei es auch ohne weiteres möglich, die Schönheiten
des verträumten Fleckchens auf offiziellen Wanderwegen zu erkunden.
Geflügelte Maulwürfe
Wer mit offenen Augen
durch das Gebiet streift, kann dabei eine Menge verborgener Schätze entdecken.
So haben 400 Paare der Uferschwalbe Quartier in den Wänden des Kliffs
bezogen. Die eleganten Flieger buddeln sich ihre Wohnungen in die Steilküste
fast wie Maulwürfe. Dabei kommt es ihnen gerade recht, dass die Wellen
des Achterwassers immer wieder für Abbruchkanten sorgen, denn die Höhlen
werden nur einmal benutzt.
Der Trockenrasen indes
beherbergt so manche botanische Kostbarkeit, wie Nehls verrät. So hat
er dort das seltene Sommer-Adonisröschen entdeckt. Auch die Grasnelke
und die Sandstrohblume mögen es, wenn sie "trockene Füße" haben. Und damit
der wertvolle Rasen nicht verbuscht, sorgen Galloway-Rinder seit einiger
Zeit dafür, dass die Vegetation kurz gehalten wird. Wo es hingegen nass
wird, versuchen sich Sumpfsitter und Steifblättriges Knabenkraut gegenseitig
den Titel der schönsten Feuchtwiesen-Pflanze abzujagen.
Frösche machen "blau"
Im zeitigen Frühjahr
beginnt im Revier die Hochzeit der Moorfrösche, die der Zinnowitzer schon
oft fotografiert hat. Kein Wunder: Die Männchen dieser Art sind zur Paarungszeit
dermaßen liebestrunken, dass sie das "blau sein" gleich wörtlich nehmen.
In zartem Himmelblau nämlich präsentieren sich die Hüpfer ab März und
versuchen, bei den schlicht braun gefärbten Weibchen Eindruck zu schinden.
Doch damit nicht genug. Während jeder ordentliche Frosch "quack" macht,
hört man von den Moorfröschen etwas, das an Luftblasen erinnert, die blubbernd
aus untergetauchten Flaschen entweichen.
Dass der Gnitz ein begehrtes
Ausflugsziel ist, damit kann Wolfgang Nehls leben. Er bewirbt die Schönheiten
der Insel-Natur ja auch in seinen Dia-Vorträgen, für die er bis nach Bayern
reist. Manchmal wünscht sich der Insulaner allerdings etwas mehr Sensibilität
der Besucher, denn schließlich will er ihnen auch künftig noch über "Natur
pur auf Usedom" berichten.
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Namenloser Schmetterling trifft brüllenden Moorochsen
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Foto: Die Erdkröte, hier ein
Pärchen während seiner Wanderung zum Laichplatz, gehört zu den häufigen
Lurcharten am Gothensee.
Kurierfoto: S. Haerter |
Über das mit 800 Hektar
zweitgrößte NSG Gothensee und Thurbruch berichtet heute unser Redaktionsmitglied
Sebastian Haerter.
Der größte Binnensee
der Insel Usedom ist der 600 Hektar große Gothensee, der südlich von Bansin
in die eiszeitliche Moränenlandschaft des Thurbruchs eingebettet liegt.
Zusammen mit 200 Hektar des umgebenden Moores wurde das Gebiet 1967 unter
Naturschutz gestellt. In dem Heft "Zwischen Haff und Heringsdorf. Das
Thurbruch auf Usedom" berichtet Claus Schönert, wie das Gebiet zu seinem
Namen kam. Noch bis ins 14. Jahrhundert streifte dort nämlich der Auerochse,
Stammvater unseres Hausrindes, durch die dichten Bruchwälder.
Von den Slawen wurde
er "Thur" genannt. Seit im Jahre 1360 der letzte dieser Art im Gebiet
erlegt wurde, erinnert nur noch der Name des Bruchs an das ausgerottete
Rind, das immerhin 1,80 Meter Widerristhöhe erreichte.
Flatternde Vielfalt
Doch Naturfreund Schönert
kennt auch noch lebende Kreaturen im Gebiet, die zum Teil selten und manchmal
nicht weniger seltsam sind. Berühmt wurde das Areal durch seine große
Vielfalt an Schmetterlingen, darunter der Dukatenfalter oder der Moorbürstenbinder.
Manche haben nicht einmal einen deutschen Namen, so wenig ist über sie
bekannt.
Auch der Gothensee beherbergt
viele Schätze. So tummeln sich Erd- und Kreuzkröte ebenso im und am See
wie Ringelnatter und Fischotter. Auch der Moorochse lässt an Frühsommer-Abenden
sein dumpfes "ü-wumb" über den See erschallen. Doch ruft da kein verschollenes
Ur-Rind, sondern die Rohrdommel, ein seltener Reiher, dem der Volksmund
wegen der dumpfen Paarungslaute den seltsamen Namen gab.
Noch vor wenigen Jahren
bereitete Schönert der Zustand des Gewässers allerdings arge Kopfschmerzen:
"An manchen Stellen habe ich 12 Meter tiefen Faulschlamm gemessen", erzählt
der Biologe. Verantwortlich dafür macht er diverse Einleitungen.
Doch mittlerweile habe
sich der Zustand gebessert, denn die Abwässer hätten sich deutlich reduziert.Das
bekommt auch den Flossenträgern im See. So tummeln sich dort Zander, Hechte,
wilde Karpfen, Dreistachlige Stichlinge und Aale, weiß Schönert und berichtet
über das Wanderverhalten der Aale.
Liebesreise in den
Tod
Wenn diese sich fortpflanzen
wollen, haben sie ein ziemliches Martyrium vor sich. Jedes Jahr im Spätherbst
brechen die geschlechtsreifen Tiere nämlich wie auf ein geheimes Signal
hin aus Seen und Flüssen in Richtung Amerika auf. Erst in der Sargassosee
endet ihre (Tor)tour.
Nach der Paarung verenden
die Alttiere, und die Larven wandern die 7000 Kilometer zurück, um nach
über 200 Tagen als "Glas-Aale" in die Flüsse aufzusteigen. Irgendwann
kommen sie dann auch auf Usedom an und erreichen vielleicht wieder den
Gothensee, bis sie selbst Jahre später dem angeborenen Wandertrieb nachgeben
werden.
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Kriegsopfer-Friedhof
ist in ein Naturschutzgebiet eingebettet
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Foto: Der Golm bei Kamminke
ist nicht nur einer der bedeutendsten Kriegsopfer-Friedhöfe Deutschlands,
sondern weist auch natürliche Besonderheiten auf, die es zu erkunden
lohnt.
Kurierfoto: Archiv |
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Über das 25 Hektar große
NSG Golm berichtet heute unser Redaktionsmitglied Sebastian Haerter.
Der Golm erlangte über
die Grenzen Deutschlands hinaus als Kriegs
gräberstätte für 23 000 Tote traurige Berühmtheit. Die Opfer des verheerenden
Bombenangriffs auf Swinemünde im März 1945 fanden hier ihre letzte Ruhe.
Kaum bekannt hingegen ist, dass der Golm auch ein Naturschutzgebiet ist.
1967 wurde nämlich ein hufeisenförmiges, 25 Hektar großes Areal rund um
die Gräber unter Schutz gestellt, wie der Koserower Werner Schnapp weiß.
Und so liegen hier seitdem Schönheit und Schrecken dicht beieinander.
Genaue Höhe unbekannt
Einig ist man sich darin,
dass der Golm die höchste Erhebung der Insel Usedom ist. Uneinigkeit besteht
hingegen darüber, wie hoch sich das Kliff über dem Land erhebt. Offiziell
wird in den meisten Karten und in der Literatur über das NSG eine Höhe
von 59 Metern angegeben. In der Korswandter Naturparkverwaltung existieren
jedoch auch Karten, in denen dem Golm ganze 12 Meter mehr zugestanden
werden, was eine Höhe von stolzen 71 Metern bedeuten würde, wie der Naturfreund
Dirk Weichbrodt berichtet.
"Treibstoff"-Zwiebeln
Bis dieses Rätsel endgültig
geklärt ist, wird wohl noch einige Zeit ins Land gehen. Das tut den verborgenen
Reizen des Areals jedoch keinen Abbruch, denn von denen gibt es dort eine
ganze Menge zu entdecken. Werner Schnapp, der das Gebiet quasi unter seine
Fittiche genommen hat, kennt sie mit Namen: Zwerglerchensporn, Zwiebel-Zahnwurz,
Leberblümchen und Scharbockskraut heißen zum Beispiel einige der schmucken
Pflänzchen, die alle zu den sogenannten "Frühjahrs-Geophyten" zählen.
Das allgemein bekannte Buschwindröschen gehört auch dazu.
Im zeitigen Frühjahr,
wenn die Buchen im Gebiet ihr üppiges Laub noch nicht enfaltet haben,
fällt noch genügend Licht auf die Erde, um den Frühblühern ihre Entwicklung
zu ermöglichen. Viel Zeit haben sie dafür nicht. In knappen zwei Monaten
muss von der Beendigung des "Winterschlafes" bis zur Ausbildung der Samen
alles geschafft sein, bevor das Blätterdach dicht und der Waldboden wieder
dunkel wird, erklärt der Hobby-Botaniker Schnapp.
Um diesen Spurt zu schaffen,
bedienen sich die zarten Pflanzen einer Art Doping. In unterirdischen
Zwiebeln haben sie sozusagen ihren Treibstoff gebunkert. Sobald dann die
erste Frühjahrs-Sonne das Laub auf dem Waldboden erwärmt, fällt der Startschuss
für Leberblümchen und Co. Und wenn im Mai der Zwergschnäpper wieder in
den Buchenkronen umherturnt, ist das Jahr für die Frühblüher zwei Etagen
tiefer im Prinzip schon gelaufen.
Boten der Kreidezeit
Auch verschiedene Vogel-
und Fledermausarten haben sich auf dem Golm eingenistet. So klopft der
Schwarzspecht eifrig seine Höhlen in die Bäume, die dann gern von Waldkauz
und Hohltaube genutzt werden. Auch der ruffreudige Kleiber bewohnt Baumhöhlen,
allerdings nutzt er die kleineren "Versionen" des Buntspechtes, die er
zusätzlich noch mit einer Art Mörtel verkleinert. Wenn es dämmert, bricht
auf dem Golm die Zeit der Fledermäuse an.
Das Braune Langohr, der
Abendsegler und die Rauhhautfledermaus gehen dann auf Insektenfang. Mittels
ihres einzigartigen Ultraschall Ortungssystems können sie auch in tiefster
Nacht ihre Nahrung erbeuten. Das Kliff an sich ist ein Relikt der Eiszeit.
Das besondere daran sind eingelagerte Kreideschollen von etwa 70 Zentimetern
Dicke und bis zu zehn Metern Länge. Sie stammen aus der Kreidezeit, die
immerhin 98 bis 65 Millionen Jahre zurückliegt.
Vom Kliff hat man im
Osten einen weiten Blick auf die Swine-Niederung, die noch vor 6000 Jahren
überflutet war, als die Gletscher wieder abschmolzen. Die auch Swinepforte
genannte Niederung verband damals noch die Ostsee mit dem Haff, schaut
Werner Schnapp zurück in die geologische Vergangenheit des Golms.
Um das Gebiet rund um
den Golm zu erkunden, muss man keine größeren Strapazen auf sich nehmen.
Die vorhandenen Wanderwege sind gut begehbar, und Tafeln informieren die
Besucher über die verschiedenen geschichtlichen und Naturaspekte der Erhebung.
Von Norden ist er über das Radwandersystem erreichbar, und von Süden kann
man mit dem Auto über Kamminke anreisen. Der Zustand des NSG wird von
Naturfreund Schnapp als gut bezeichnet. Und er ist optimistisch, dass
das auch so bleiben wird.
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Geheimnisvolle Flora unter klarem Wasser
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Foto: Der Kleine Krebssee
gehört zu den saubersten Gewässern im Land ideale Voraussetzungen
für seltene Wasserpflanzen. Doch die Flora am Boden des Sees ist noch
nicht erforscht.
Foto: G. Schwarz |
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Über das 45 Hektar
große NSG Kleiner Krebssee berichtet heute unser Redak tionsmitglied
Sebastian Haerter.
Die Schätze des Kleinen
Krebssees, der zwischen Gothensee und Schmollensee "eingeklemmt" ist,
liegen im Verborgenen. Genauer gesagt unter Wasser. Das ist nämlich so
sauber wie bei wenigen anderen Gewässern der Insel Usedom und auch des
Landes Mecklenburg-Vorpommern, weiß man in der Naturpark-Verwaltung in
Korswandt.
Daher verdient der Kleine
Krebssee auch den seltenen Status "Klarwassersee". Und nährstoffarmes
und sauberes Wasser ist nicht nur rar, sondern auch idealer Lebensraum
für eine Reihe Wasserpflanzen wie bestimmte Armleuchteralgen, die Krebsschere
und Laichkräuter.
Das Problem: Niemand
weiß wirklich, ob diese Pflanzen tatsächlich im See vorkommen. Auch nicht
Gerhard Schwarz, der das Naturschutzgebiet seit einem halben Jahr betreut.
"Es liegen zwar Untersuchungen für die Uferbereiche vor, doch die Unterwasserflora
ist noch ein Geheimnis", erzählt der Bansiner.
"Gefiederter Sportwagen"
Aber was die Botaniker
außerhalb des nassen Elementes gefunden haben, ist auch schon beachtenswert.
Die gelbe Wasser-Schwertlilie, der Blut-Weiderich, die aromatische Wasser-Minze,
das Sumpf-Blutauge und der Wasser-Nabel sind einige der Pflanzen, die
dort schon nachgewiesen wurden.
Der breite Schilfgürtel,
der sich über das gesamte Ostufer erstreckt, bietet viel Platz für einige
Vögel wie die Rohrammer oder den Drosselrohrsänger, dessen lautes "Karre-karre-kiet"
an warmen Sommerabenden über den See schallt. Gerhard Schwarz hat auch
schon den überaus seltenen und vor allem überaus schnellen Wanderfalken
am Kleinen Krebssee beobachten können.
Der Greif erreicht bei
seiner Jagd Spitzengeschwindigkeiten, von denen GTI-Fahrer nur träumen
können weit über 250 Kilometer pro Stunde sind für diesen gefiederten
Pfeil schon gemessen worden. Das ganze Gegenteil dazu ist der Seeadler,
der auch von Zeit zu Zeit den See besucht, wie Schwarz berichtet. Der
Adler beeindruckt weniger durch Schnelligkeit denn durch Größe und Masse.
ls größter europäischer
Greifvogel mit 2,50 Meter langen Schwingen kann man es auch schon mal
gelassener angehen lassen und sich in aller Ruhe einen Fisch von der Wasseroberfläche
wegfangen.
Beschilderung angestrebt
Etwa einmal pro Woche
besucht Gerhard Schwarz "seinen" Krebssee, um nach dem Rechten zu sehen.
So muss er auch hin und wieder einschreiten, um beispielsweise darauf
aufmerksam zu machen, dass wildes Campen nicht erlaubt ist oder Hunde
angeleint werden müssen.
Der Naturfreund weiß
auch um die Defizite im Gebiet: "Das Areal muss besser gekennzeichnet
werden, deshalb soll in Zusammenarbeit mit der Verwaltung des Naturparkes
Insel Usedom im kommenden Frühjahr auch eine Beschilderung vorgenommen
werden." Und natürlich wird auch angestrebt, die Schätze des Kleinen Krebssees
endlich zu erforschen. Fehlt nur noch der entsprechende Fachmann, der
sich mit dem "Unterwasser-Salat" auskennt.
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Über dem Zernin meckert noch die Himmelsziege
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Foto: Grenznahes Moor durchläuft
Höhen und TiefenSeltene Schönheit: Das Wollgras als typische Moorpflanze
präsentiert seine watteähnlichen Fruchtstände im Herbst unter anderem
in der Zerninsee-Senke. Auch viele andere Raritäten fühlen sich hier
heimisch.
Kurierfoto: S. Haerter |
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Das 365 Hektar große
NSG Zerninsee-Senke.
Die bekanntesten pommerschen
Ornithologen Paul Robien und Ulrich Dunkel hätten sich wohl im Grabe umgedreht,
wenn sie erfahren hätten, was 1963 mit "ihrer" Zerninsee-Senke passierte.
Das Naturschutzgebiet wurde damals nämlich gelöscht. Zwar stand es seit
1938 unter Schutz, doch durch massenhaften Besucherstrom
hatte es schnell an Wert verloren.
Wechselvolle Geschichte
Scheue Tiere wie der
Kranich wanderten ab, Pflanzen wurden zertreten, und irgendwann blieb
nicht mehr allzu viel übrig, was noch schützenswert erschien. Also wurde
die Zerninsee-Senke aus der Liste der NSG gestrichen, und ein anderes
Gebiet kam dafür in den Genuss des begehrten Status.
Doch auch schon vorher
durchlief das südlich von Ahlbeck gelegene Moor eine wechselvolle Geschichte,
weiß Dirk Weichbrodt zu berichten. Seinen Namen bekam das Gebiet einst
von der Siedlung Sennin, die am Westufer des Sees lag. Erstmals erwähnt
wurde sie im Jahre 1277, als Herman Bischof zu Cammin dem Kloster Stolp
Sennin schenkte.
Bis 1468 ist die Existenz
der Siedlung belegt, blickt der Naturfreund zurück. Danach übernahmen
die wahren Herrscher im Zerniner Moor wieder die alleinige Macht: Wollgras,
Torfmoos, Sumpfporst, Kranich, Bekassine, Seeadler, Kreuzotter und Moorfrosch.
Doch die Störungen hörten nicht auf: 1842 gab es erste Entwässerungsversuche,
die 1936 durch den Reichsarbeitsdienst, der Ringgräben um das Areal zog,
intensiviert wurden. Der einst fischreiche See begann im Eiltempo zu verlanden.
"Wilde Schwäne" brüten
1938 kam dann die Rettung,
die keine war. Die Zerninsee-Senke wurde für schutzwürdig befunden und
zum NSG erklärt. Denn schon 1922 wurde von "wilden Schwänen" auf dem Zerninsee
berichtet. "Zu jener Zeit eine große Seltenheit", wie Fachmann Weichbrodt
betont. Eine große Möwen- und Seeschwalbenkolonie lockte weitere Naturfreunde
in die Gegend, erzählt er. Leider zu viele, wie sich herausstellte.
Als dem Gebiet dann später
der Schutzstatus entzogen wurde, blieben auch die Besucher aus. Und damit
kehrten langsam aber sicher die "Ureinwohner" des Moores zurück: Das Wollgras
mit seinen wattebausch-artigen Fruchtständen, der nur faustgroße Zwergtaucher
und die scheue Kreuzotter.
Auch die Bekassine, wegen
ihrer "meckernden" Fluggeräusche auch "Himmelsziege" genannt, zog wieder
Kreise über dem Zernin. Die nahe Grenze tat ein übriges, und so blieb
das Gebiet recht ungestört, das Weichbrodt nach eigener Aussage "sehr
am Herzen liegt".
Neue Probleme befürchtet
1995 wurde die Zerninsee-Senke
erneut zum Naturschutzgebiet erklärt. Die Naturparkverwaltung bietet nun
kontrollierte Führungen an, um das Gebiet zu schonen. Die vorgesehene
Grenzöffnung bei Garz betrachtet Weichbrodt allerdings sehr kritisch.
Er befürchtet, dass Busse und Pkw die Ruhe am Zernin beenden und Lärm
und Müll erneut den Exodus der Moorbewohner auslösen könnten.
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Wo ein fliegender Edelstein zwergenhafte Fische fängt
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Foto: Der Eisvogel heißt wegen
seines schillernden Gefieders auch "fliegender Edelstein". Beobachten
kann man ihn am Mümmelkensee.
Foto: sh |
Über das kleinste NSG
auf Usedom, den sechs Hektar großen Mümmelkensee, berichtet heute
unser Redaktionsmitglied Sebastian Haerter.
Moore waren dem Menschen
noch nie geheuer. Von altersher galten sie als sagenumwobene Orte, an
denen mystische Gestalten ihr Unwesen treiben. Am Mümmel
kensee, einem winzigen Moor nordöstlich des Schmollensees, treiben hingegen
in jüngster Zeit des öfteren Wissenschaftler, also eigentlich ganz rationale
Menschen, ihr "Unwesen", wie Claus Schönert berichtet.Und das aus gutem
Grund, wie der Heringsdorfer Naturfreund weiß: "Es handelt sich hier schließlich
um ein fast unberührtes Kesselmoor, das seinesgleichen sucht", betont
Schönert.
Einfallsreiche Gewächse
Begonnen hat alles während
der jüngsten Eiszeit, als ein Gletscher dort einen Eisblock "vergaß",
der nach seinem Abschmelzen eine Senke hinterließ. In dieser konnte sich
während der letzten 18 000 Jahre ungestört das Moor entwickeln, wie Claus
Schönert erzählt. Sage und schreibe 15 Meter Mächtigkeit erreicht der
Torf heute an seiner tiefsten Stelle. Und das ist wohl auch der Grund
dafür, dass der Mensch den Mümmelkensee in Ruhe ließ.
Anderswo wurde bekanntlich
weniger zimperlich mit den Mooren umgegangen, wie der Biologe weiß. Entweder
wurden sie abgetorft oder für landwirtschaftliche Nutzung trockengelegt.
Und damit verschwanden auch typische Moorpflanzen, die sich am Mümmelkensee
noch ein Stelldichein geben.
Weil Moore nährstoffarm
sind und es vor allem an Stickstoff fehlt, müssen sich die Gewächse einiges
einfallen lassen, um nicht zu verhungern. Und so fängt zum Beispiel der
Sonnentau mit seinen klebrigen, verführerisch glitzernden Tröpfchen Insekten,
die sich leichtfertig niederlassen, und verdaut sie ungerührt.
Fliegender Edelstein
Claus Schönert kennt
noch andere Hungerkünstler im Gebiet: die seltene Rosmarienheide, das
Wollgras und den Sumpfporst. Selbst die Fische bleiben winzig im Mümmelkensee,
verblüfft der Biologe: "Weil es kaum etwas zu fressen gibt, wachsen Plötz
und Blei einfach nicht weiter und bleiben zwergenhaft klein." Genau richtig
für den Eisvogel, der auch "fliegender Edelstein" genannt wird. Er ist
manchmal am Mümmelkensee zu Gast und hat die Mini-Fischlein zum Fressen
gern.
Wer ihn beobachten will,
kann den reizvollen Wanderweg um das Gebiet nutzen. Und dort sollte der
Wanderer auch bleiben, denn das Moor ist unberechenbar oder, wie Claus
Schönert scherzt: "Ich kann niemandem wirklich empfehlen, vom Weg abzuweichen."
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Von den Wellen des
Achterwassers geformt
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Foto: Am Südufer des Achterwassers
liegt die kleine Halbinsel Cosim, auf der bedrohte Küstenvögel und
rare Feuchtwiesenpflanzen ihr Zuhause haben.
Kurierfoto: J. Bengs |
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Das 85 Hektar große
NSG Halbinsel Cosim
Nördlich der Ortschaft
Balm, wo die Wellen sanft an die Strandwälle plätschern und man einen
weiten Blick auf das Achterwasser hat, befindet sich die kleine Halbinsel
Cosim. Seit Jahrhunderten spült das Wasser ungehindert über das Land und
konnte so ein Überflutungsmoor mit typischer Salzwiesenvegetation formen,
das den Charakter des Areals ausmacht, wie Gebietsbetreuer Dirk Weichbrodt
erklärt.
Nutzung aufgegeben
Eine landwirtschaftliche
Nutzung der Flächen erwies sich immer schon als schwierig und unrentabel.
Der Nord- und Südhaken der Halbinsel sei zwar seit dem 17. Jahrhundert
als Mähwiese genutzt worden, wie der Naturschützer erläutert, doch mit
Beginn der Intensiv-Landwirtschaft in den 60-er Jahren des 20. Jahrhunderts
habe man das Grünland nicht mehr bewirtschaftet.
Dass der Mensch sich
aus dem Gebiet zurückzog, hatte in diesem Fall jedoch auch negative Folgen
für die Natur, betont Weichbrodt. "Brüteten vorher noch seltene Küstenvögel
wie der Alpenstrandläufer oder die Uferschnepfe, breitete sich nun im
Eiltempo Schilfröhricht aus, das die Wiesenvögel verdrängte".
Übrig blieben indes nur
Reste der einst typischen Feuchtwiesen-Vegetation wie das Breitblättrige
Knabenkraut, die Bach-Nelkenwurz oder das Schmalblättrige Wollgras, bedauert
der Prätenower.
Ausgedehnte Schilfwälder
Das Schilf wurde fortan
für die traditionelle Dachdeckung gemäht. Die hübsche Bartmeise fühlte
sich in den ausgedehnten Schilfwäldern bald ebenso wohl wie die Rohrweihe.
Überwinternde Seeadler, auf den Wasserflächen rastende Enten und auch
eine große Reiherkolonie mit über 500 Brutpaaren gehören heute zu den
Schätzen des Cosim, zählt Dirk Weichbrodt auf.
Seit der Unterschutzstellung
im Jahre 1996 werde nun versucht, die Flächen zu beweiden, um ihren ursprünglichen
Charakter wieder herzustellen. Probleme bereitet dem Naturfreund dabei,
dass oft illegal gezeltet und Feuer entfacht wird. Er habe auch wenig
Verständnis dafür, betont Weichbrodt, dass immer wieder Autos auf dem
Wanderweg fahren und die empfindliche Ruhe auf der eigentlich verträumten
Halbinsel am Achterwasser stören.
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Schutzgebiet Streckelsberg
bietet seltene Orchideen und weite Sicht
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Foto: Werner Schnapp kennt
das Gebiet seit 1965 und weiß besonders über die botanischen Kostbarkeiten
Bescheid.
Kurierfoto: S. Haerter |
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Dort, wo Berge dünn gesät
sind und die Landschaft flach ist, wird um jeden Höhen-Meter gefeilscht.
Die Insel Usedom macht da keine Ausnahme schließlich lockt die größte
Erhebung meist auch mit der besten Aussicht, und die will jeder vor der
eigenen Türe haben. So kommt es, dass sich der Koserower Streckelsberg
in einigen Karten 60 Meter über dem Meer erhebt und damit als höchster
Berg der Insel den Golm mit 59 Metern auf den undankbaren zweiten Platz
verweist.
Werner Schnapp aus Koserow
weiß, dass hier ein klein wenig geschummelt wurde: "Die Koserower hätten's
gern ein bisschen höher." Schnapp kennt den Streckelsberg seit 1965 und
damit wie seine Westentasche. Zwar sind auch seine Angaben zum Kliff unterschiedlich,
nämlich zwischen 51 und 56 Meter, aber trotzdem noch deutlich unterhalb
der magischen 60 Meter-Grenze.
Ein Werk der Eiszeit
Entstanden ist die imposante
Erhebung während der letzten Eiszeit vor etwa 18 000 Jahren, wie Werner
Schnapp erklärt. Damals schoben sich riesige Gletschermassen über die
Region und modellierten wie riesige Bulldozer die Landschaft. Zurück blieben
als Ablagerungen die so genannten Endmoränen, unter ihnen auch der heutige
Streckels- berg.
"Das Kliff mit seiner
aufgesetzten Düne war dann lange Zeit in Bewegung. Wind und Wellen trugen
Material ab, und der Sand wehte auf die Felder, was den ohnehin recht
kargen Böden weiter zusetzte", erzählt der Koserower. Doch dann kam 1818
ein gewisser Oberförster Schrödter auf die rettende Idee.
Genialer Grünrock
Der geniale Grünrock
pflanzte auf dem Berg einfach Rotbuchen und Kiefern an, von denen einige
noch heute stehen, wie Schnapp berichtet. Damit wurden die Abtragungen
von der Düne weniger. Als Nebeneffekt stellte sich eine interessante Flora
und Fauna ein, die das Gebiet später berühmt machte. Orchideen wie das
Rote Waldvögelein oder die Weiße Waldhyazinthe erfreuten die Besucher
mit ihrem exquisiten Anblick.
Schwarzspecht und Hohltaube
gaben sich ein Stelldichein Fuchs und Igel konnten sich eine gute Nacht
wünschen. 1961 schließlich wurde das Gebiet unter Naturschutz gestellt.
Küstenschutzmaßnahmen sorgen heute dafür, dass auch das Kliff ruhig gestellt
ist, wie Werner Schnapp weiß. Mittlerweile schützen Buhnen, Wellenbrecher
und eine Brandungsmauer den Berg vor den Naturgewalten.Insgesamt 18 Millionen
Mark sind dafür bis 1998 "in den Sand gesetzt" worden.
Wanderwege laden ein
Die vielen Touristen,
die Jahr für Jahr die Aussicht vom Streckelsberg genießen, werden es danken.
Das Gebiet ist über den überregionalen Wanderweg am Fuße des Berges von
Ost nach West erschlossen, und auch oberhalb führt ein Weg entlang der
Kliffkante. "Bei guter Sicht kann man bis Swinemünde, Rügen und zur Greifswalder
Oie sehen", beschreibt Naturfreund Schnapp die Aussicht. Und ob man den
Blick nun von der höchsten oder der zweithöchsten Erhebung der Insel genießt,
spielt da wirklich keine Rolle mehr.
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Auf den Spuren der alten Slawen
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Foto: Wo heute Sportler auf
dem Balmer Golfplatz ihre kleinen weißen Bälle schlagen, schlugen
vor etwa 1000 Jahre noch die Slawen auf ihre Feinde ein. Das angrenzende
Naturschutzgebiet Mellenthiner Os lädt nicht nur zu Naturbeobachtungen
ein, sondern auch zu Zeitreisen.
Kurierfoto: S. Haerter |
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Unweit des Balmer Golfplatzes,
wo heute Sportler auf kleine weiße Bälle einschlagen, schlugen vor etwa
tausend Jahren noch die Slawen auf ihre Feinde ein. Dort, im Naturschutzgebiet
Mellenthiner Os, befindet sich nämlich eine slawische Höhenburg, die so
genannte "Schwedenschanze". Zu sehen ist davon heute allerdings nur noch
der Ringwall, der die Befestigungsanlage einst umgab.
Der Grund dafür, weshalb
die Vorfahren dort siedelten, liegt noch tausende Jahre zurück. Vor etwa
18 000 Jahren nämlich, während der letzten Eiszeit, riss an dieser Stelle
ein Gletscher. Dadurch sammelte sich Schmelzwasser in einer Spalte, spülte
das mitgeführte Material aus und ließ schließlich einen Höhenzug zurück.
Das Praktische an der
Sache war, dass diese Sandinsel rings herum von Moor umgeben war, so dass
ein natürlicher Schutz vor nahenden Feinden, zum Beispiel den Dänen, gegeben
war. Und so ist das Mellenthiner Os heute in zweifacher Hinsicht ein geschichtsträchtiger
Ort.
Reise-Mitbringsel
Im Nordwesten des Schutzgebietes
befindet sich eine stillgelegte Kiesgrube. Die bis zu 12 Meter hohen Wände
sind eine Art Tor in die Vergangenheit. Wie die Jahresringe eines Baumes
sein Alter verraten, so zeigt die Kiesgrube, was der Gletscher in grauer
Vorzeit auf seiner Reise aus dem Norden mitgebracht hat. Die Ausmaße des
Eisklotzes werden bewusst, wenn man bedenkt, dass allein der Höhenzug
Mellenthiner Os vier Kilometer Länge und bis 300 Meter Breite aufweist.
Damit ist das Areal eines
der größten und am besten erhaltenen Gebiete seiner Art im ganzen Landkreis
Ostvorpommern. Heute bedeckt Wald den größten Teil der Fläche, die erst
1995 ihren Naturschutz-Status erhielt. Neben den geschichtlichen Schätzen
beherbergt das Gebiet auch viele Tiere und Pflanzen. Der seltene Gagelstrauch,
die Schattenblume und der Sumpf-Haarstrang wachsen dort ebenso wie das
Sumpfblutauge, das seinen Namen der roten Blüte verdankt.
Seltsame Jagdtechnik
In den Kronen der Buchen
wohnt ein winziger Vogel, der auf den ersten Blick wie ein geschrumpftes
Rotkehlchen aussieht der Zwergschnäpper. Eine Etage tiefer brütet von
Zeit zu Zeit der scheue Kranich, von dem nur sein trompetender Ruf kündet.
Auch Rotmilan und Neuntöter, der seine Beute auf Dornen spießt, sind zu
Hause im Mellenthiner Os. Zu erreichen ist das NSG unter anderem über
die Kreisstraße Dewichow - Balm, die das Gebiet teilt. Im Norden und Süden
verlaufen Wanderwege, die dazu einladen, einmal auf den Spuren der Eiszeit
und der alten Slawen zu wandeln.
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